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Petersdom
Der Petersdom in Rom (auch: Peterskirche; Basilika St. Peter; Petersbasilika; Vatikanische Basilika, italienisch: San Pietro in Vaticano) ist die zweitgrößte christliche Kirche der Welt, nach der Basilika Notre-Dame de la Paix, und fasst 60.000 Personen. Er ist die Grabeskirche des Apostels Simon Petrus und damit ein zentrales Heiligtum der römisch-katholischen Kirche und eine von vier römischen Patriarchalbasiliken. Entgegen verbreiteter Auffassung ist er jedoch nicht die Kathedrale von Rom. Dies ist San Giovanni in Laterano. Seit im 14. Jahrhundert der Hauptwohnsitz des Papstes vom Lateranpalast an den Vatikan verlegt wurde, kam dem Petersdom eine gesteigerte Bedeutung zu.
Gegenwärtiger Erzpriester der Patriarchalbasilika ist Kardinal Francesco Marchisano.
Geschichte
Die vatikanische Nekropole
Im 1. Jahrhundert nach Christus lag der vatikanische Hügel außerhalb des antiken Rom auf der anderen Tiberseite gegenüber dem mit öffentlichen Bauten bestückten Marsfeld. Nero ließ dort einen Circus mit einem Palast errichten und durch eine neue Brücke mit der Stadt verbinden, von der heute nur noch wenige Spuren im Tiber zu sehen sind. Wie auf fast allen Seiten war das antike Rom auch auf dem ager Vaticanus von Gräbern umgeben. Nach der Überlieferung fand hier der Apostel Petrus, der angeblich im Herbst 64 n. Chr im Circus des Nero mit dem Kopf nach unten gekreuzigt wurde, seine letzte Ruhestätte.
Bei Ausgrabungen im Auftrag Pius XII. um 1950 wurden Reste des Circus und daneben eine ganze Gräberstraße unter dem Petersdom freigelegt. In dem Anfang des 4. Jahrhunderts zugeschütteten Friedhof wurden bei den Ausgrabungen zahlreiche Grabhäuser mit Stuck, Wandmalereien und Mosaiken und vereinzelten christlichen Gräbern freigelegt. Es wurden auch Gebeine in dem mutmaßlichen Petrusgrab gefunden, allerdings nicht im Boden, sondern in einer seitlichen Stützmauer, die als rote Mauer bezeichnet wird. Die Theorie, die Gebeine seien in den letzten schweren Verfolgungen in einem mit Petrusgraffiti überzogenen Oratorium in den Katakomben von San Sebastiano aufbewahrt worden und erst von Konstantin in der Mauer beigesetzt worden, mag bis heute viele Kritiker nicht überzeugen. Während die Frage nach den Gebeinen darum offen bleiben muss, kann seit den Ausgrabungen als gesichert gelten, dass zumindest Anfang des 4. Jahrhunderts die verehrte Stätte als Grab des Petrus angesehen wurde. Die heutige Peterskuppel befindet sich genau über diesem Grab.
Katakomben
Die konstantinische Basilika
Aufgrund der Ausgrabungsbefunde ist zu vermuten, dass nach dem Toleranzedikt des Jahres 313 die Christen Kaiser Konstantin das Grab vorwiesen, das von alters her als Petrusgrab verehrt worden war. Dieser ließ um 324 auf dem Vatikanischen Hügel eine Basilika errichten.
Um eine ebene Baufläche für eine monumentale Basilika in der Hanglage zu erhalten, ließ Konstantin die Gräber unterhalb des verehrten Grabes zuschütten und den Hügel hinter dem Grab abtragen, so dass schließlich nur noch das Grabmal allein in der Apsis der künftigen Kirche stand, mit kostbarem Marmor verkleidet.
Die fünfschiffige Basilika mit einschiffigem Querhaus wurde 326 geweiht und 468 durch Papst Simplicius umgebaut, um nicht nur am, sondern auch für eine größere Menge über dem Grab auf einer erhöhten Altarinsel Eucharistie feiern zu können. Da das Grab weiterhin umschreitbar sein sollte, wurde ein Gang unter dem neuen erhöhten Altarraum gebaut, der zur Urform der Krypta wurde.
In den folgenden Jahrhunderten wurde der Bau durch die Wirren der Geschichte und zahlreiche kriegerische Ereignisse stark beschädigt, wurde aber auch immer wieder restauriert.
Ab 1451 erfuhr die konstantinische Basilika unter den Päpsten Nikolaus V., Pius II. und Julius II. eine umfassende letzte Renovierung.
Der Neubau
Julius II.
Papst Julius II. erkannte, dass das rund 1200 Jahre alte Gotteshaus, auf dem für seine Mückenplage bekannten Hügel, keinen angemessenen Platz für sein Grabmal bieten würde. Er gab deshalb eine Erweiterung des Baus in Auftrag. Da dieser jedoch an vielen Stellen einsturzgefährdet war, entschied man sich stattdessen für einen monumentalen Neubau. Am 18. April 1506 wurde dann der Grundstein für den neuen Dom gelegt. Das kostenintensive Unternehmen wurde entscheidend durch den sog. Peterspfennig und den Verkauf von Ablässen, in Deutschland durch den Dominikanermönch Johannes Tetzel, finanziert. Insofern war es -streng genommen - die Sünde, die das Geld zum Bau der größten Kathedrale der Welt erbracht hat.
Der erste Entwurf des Neubaus stammt von Bramante, der zusammen mit Peruzzi auch bis 1514 Bauleiter des ehrgeizigen Projektes war. Von 1515 bis 1546 ging der Bau unter Leitung von Raffael, Giuliano da Sangallo und Baldassare Peruzzi nur schleppend voran. Die Entwürfe wechselten selbst die Grundform von griechischem und lateinischem Kreuz wiederholt. 1547 übernahm Michelangelo die Bauleitung und entwarf auch die Rippenkuppel inmitten eines Zentralbaues. Im Zuge der Reformen des Konzils von Trient setzte sich schließlich der Langbau in Form eines lateinischen Kreuzes gegenüber dem Zentralbau unter den Baumeistern Vignola und Giacomo della Porta durch. Von 1607-1614 wurden vom Baumeister Carlo Maderno das Langhaus mit Vorhalle, sowie die barocke Fassade vollendet. Um alle Blicke in Richtung Petrusgrab zu lenken, errichtete Gian Lorenzo Bernini 1624 einen Bronzebaldachin mit aufgesetztem Kreuz auf vier 29 m hohen, gewundenen Säulen, direkt über dem Grab. Am
18. November 1623 konnte die neue Grabeskirche von Papst Urban VIII. geweiht werden.
Der Petersplatz
geweiht
geweiht
Der von Bernini geplante 240 m breite, elliptische Platz geht an der Seite zur Kirche hin in ein Trapez über. Dies lässt die überbreite Fassade des Domes schmaler wirken und betont die Kuppel. In der Mitte des Platzes steht ein Obelisk, der aus dem Circus des Caligula und Nero stammt, in dem Petrus hingerichtet worden sein soll. Dieser Circus lag in der Antike links vom heutigen Petersdom. Im Fuß des Obelisks soll sich Caesars Asche, in seiner Spitze ein Teil des Kreuzes Jesu befinden. Der original ägyptische Obelisk hat ein geschätztes Gewicht von 322 t und steht auf einem Fundament mit 4 Bronzelöwen. Seine Aufrichtung auf dem Petersplatz war eine technische Meisterleistung der Zeit. Auf beiden Seiten befindet sich ein je 14 m hoher Brunnen. Der rechte wurde 1613 unter Paul V. von Carlo Maderno, der linke 1677 von Bernini gestaltet.
Die den Platz umsäumenden Kolonnaden sind 17 m breit und absolut symmetrisch zum Mittelpunkt des Platzes. Zwischen den 284 in 71 Viererreihen angeordneten Säulen verbergen sich 140 Heiligenstatuen, die von 1667 bis 1669 unter Alexander VII. und Clemens IX. gestaltet wurden.
Siehe auch: Petersplatz
Architektur
Daten
Petersplatz
Petersplatz
Petersplatz]]
Die Innenfläche des 211,5 m langen und 132,5 m hohen Baus beträgt rund 15.160 m² (1,5 ha) und bietet rund 60.000 Menschen Platz, somit hat der Petersdom auch einen der größten Innenräume der Welt. Das Langhaus hat eine Länge von 187 m und eine Breite von 27,50 m, das Querschiff ist 138 m breit. Die Bauzeit betrug rund 120 Jahre.
Im Inneren des Domes, der neben einer Hauptkuppel auch 8 kleinere Nebenkuppeln besitzt, befinden sich etwa 800 Säulen und 390 Riesenstatuen aus Travertin, Marmor, Stuck und Bronze, sowie 45 Altäre.
Der Innenraum
Von der Vorhalle gelangt man durch die Bronzetür des Filarete in das Innere der Basilika, daneben befindet sich die Porta Santa, die nur während eines Heiligen Jahres geöffnet wird. Direkt am Anfang des Mittelschiffs ist eine Porphyrscheibe in den Boden eingelassen, welche sich vor dem Hochaltar der konstantinischen Vorgängerbasilika befand und auf der Karl der Große im Jahre 800 von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt wurde.
Die Vierung
Direkt unterhalb der Kuppel befindet sich der Papstaltar mit Berninis Bronze-Baldachin, das 1624 bis 1633 entstand. Darunter liegt die Confessio, gemäß einer Überlieferung das Grab des Heiligen Petrus, mit einer Figur von Papst Pius VI.
In den vier Kuppelpfeilernischen befindet sich jeweils eine etwa 4,5 Meter hohe Heiligenstatue aus Marmor: Die Heilige Veronika, Helena, Longinus und Andreas. Dieses Figurenprogramm verweist auf die kostbaren Reliquien, die dort aufbewahrt werden beziehungsweise wurden: Das Schweißtuch der Veronika, ein Stück vom heiligen Kreuz, die Lanze des Longinus und der Kopf des Apostels Andreas (1964 nach Patras überführt). Die Statuen wurden von vier verschiedenen Bildhauern gefertigt: der Longinus von Bernini, Andreas von Duquesnoy, Veronika von Francesco Mochi und die Helena von Bolgi.
Die Kuppel
Die Kuppel des Petersdoms ist das größte freitragende Ziegelbauwerk der Welt. Sie ist über 537 Stufen oder einen Lift zu erreichen und bietet einen hervorragenden Panoramablick auf den Vatikanischen Komplex und das umgebende Rom. Sie hat einen Durchmesser von 42,34 m (86 cm weniger als das Pantheon, ist aber 43,20 m höher). Im inneren Kuppelfries steht in zwei Meter hohen Buchstaben das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regni caelorum (Du bist Petrus (griechisch: Fels), und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und Dir gebe ich die Schlüssel zum Himmelreich.)
Die Vatikanischen Grotten befinden sich auf dem Bodenniveau der konstantinischen Basilika, auch Alt St. Peter genannt. Hier befinden sich 23 der insgesamt 164 Papstgräber des Petersdoms, in möglichster räumlicher Nähe zum Apostelgrab, dem Grab des ersten Papstes. Um das Petrusgrab herum, das auch hier die räumliche wie geistige Mitte bildet, sind fünf Nationalkapellen angeordnet. Zuletzt wurde Johannes Paul II. im früheren Grab von Johannes XXIII. in unmittelbarer Nähe der Confessio beigesetzt.
Ausstattung
Johannes XXIII.
Bronzestatue des hl. Petrus
Die berühmte Petrusstatue befindet sich im Hauptschiff. Ihr rechter Fuß ist bereits stark abgeflacht durch die zahlreichen Berührungen durch Pilger.
Michelangelos Pietà
Michelangelos Pietà befindet sich in der ersten Seitenkapelle des rechten Seitenschiffs (in der Nähe der Heiligen Pforte). Sie ist 1,75 m hoch und ruht auf einer 1,68 m breiten Standplatte. Der Auftrag wurde von Kardinal Jean de Villiers de la Grolaye erteilt. Michelangelo vollendete dieses Werk im Jahr 1500, als er 25 Jahre alt war. Auf dem Brustband Marias lässt sich folgende Signatur erkennen: MICHAEL ANGELUS BUONAROTUS FLORENTINUS FACIEBAT. Nachdem die Pietà 1972 durch einen Verrückten namens Laszlo Toth mit einem Hammer schwer beschädigt wurde, kann sie nur noch hinter Panzerglas betrachtet werden. Da Michelangelo die Skulptur auf Nahbetrachtung hin ausgerichtet hat, geht ein großer Teil ihrer Wirkung verloren.
In der Sakristei / Schatzkammer des Petersdomes (links vom Altar) gibt es ein Replikat der Pietà, welches man aus nächster Nähe betrachten kann.
Berninis Cathedra Petri
Die 1666 von Bernini geschaffene Cathedra Petri befindet sich in der Apsis. Es handelt sich dabei um einen Bronzemantel für einen darin befindlichen Holzstuhl. Es soll sich dabei um den Lehrstuhl von Simon Petrus handeln, wahrscheinlicher ist aber, dass es sich um den zu seiner Krönung gefertigten Stuhl Karls des Kahlen handelt. Dieser wurde dann nach der Krönungsfeier dem Papst oder der Peterskirche geschenkt.
Papstgrabmäler
Unter den zahlreichen monumentalen Papstdenkmälern sticht bis heute
Berninis Grabmal für Papst Alexander VII. besonders ins Auge. Unter einem aus Marmor gestalteten drappierten Tuch hält ein nur für den Betrachter sichtbares lebensgroßes Skelett dem betenden Papst das Stundenglas der abgelaufenen Zeit entgegen.
Alexander VII.
Berninis Ziborium
Das Ziborium von Bernini befindet sich in der Sakramentskapelle.
Taufbrunnen
Der Taufbrunnen von St. Peter ist ein Porphyrdeckel von einem Sarkophag aus dem Mausoleum Hadrians (Engelsburg, Castel S. Angelo), in welchem Kaiser Otto II. bestattet wurde. Dieser wurde 1600 in einen einfachen Steinsarg umgebettet und in die Vatikanischen Grotten verlegt, als man das Atrium im Zuge der Bauarbeiten für den Dom abbrechen musste.
Gemälde sind Mosaiken
AtriumPapst Gregor XIII., nach dem die gregorianische Kapelle, die sich Mitte rechts im Hauptschiff befindet, benannt wurde, war ein großer Freund von Mosaiken. Er ließ diesen Teil mit Mosaiken ausschmücken und gründete eine Scuola del Mosaico ("Mosaikschule"). Die Schüler dieser Einrichtung sollten diese Kunstform erlernen, studieren und pflegen. Im Laufe der Zeit wurden deshalb fast alle großen Altargemälde des Petersdoms durch Mosaik-Kopien ersetzt. Die Originale befinden sich heute in der vatikanischen Kunstsammlung.
Statuen von Ordensgründern
An den Wänden befinden sich in Nischen überlebensgroße Statuen von Ordensgründern.
Nachwirkung
Der Kuppelbau des Petersdoms hatte auf den Kirchenbau der folgenden Jahrhunderte, insbesondere die unzähligen Kuppelkirchen der Barockzeit, eine kaum zu überschätzende Wirkung. Auch das Formschema der Kombination aus Kuppel-Zentralbau und basilikaler Längsorientierung war für die Architekten und Kirchenbauer der Folgezeit ein immer wieder abgewandeltes Thema.
Die Kasaner Kathedrale in Sankt Petersburg sollte im 19. Jahrhundert ein Nachbau des Petersdoms werden, wurde vom ausführenden Baumeister erheblich umgestaltet. Ein noch merkwürdigerer Fall ist die Basilika Notre-Dame de la Paix in Yamoussoukro, Côte d'Ivoire, deren Grundsteinlegung Papst Johannes Paul II. 1980 vornahm. Diese Kathedrale ist ein Nachbau des Petersdoms. Er entstand in einem Entwicklungsland, wo der Katholizismus eine Minderheitsreligion ist.
Größenvergleich
Sakrale Bauwerke
- Petersdom - Länge: 211,5 m - Breite: 138 m - Höhe: 132,5 m - Grundfläche: 15.160 m² - Bauzeit: 120 Jahre, Platz für ca. 60.000 Menschen.
- Hagia Sophia - Länge 77 m, Breite: 71 m - Höhe 56 m - Kuppeldurchmesser 33 m - Grundfläche: 7560 m² - Bauzeit 5 Jahre (532-537).
- Basilika Notre-Dame de la Paix - Höhe: 158 m - Grundfläche: 30.000 m²- Bauzeit: 3 Jahre, Platz für ca. 100.000 Menschen.
- Ulmer Münster - Länge: 139,5 m - Breite: 59,2 m - Höhe: 161,5 m - Grundfläche: 8260 m²
- Kölner Dom - Länge: 144,58 m - Breite: 86,05 m - Höhe: 157,38 m - Grundfläche: 7914 m², Bauzeit: 620 Jahre, Platz für ca. 20.000 Menschen.
- Cathedral of Saint John the Divine - Länge: 183,2 m - Grundfläche: 11.240 m² - Volumen: 476.350 m³ - unvollendet
- Kathedrale Hl. Sava - Länge 91 m - Breite 91 m - Grundfläche 3.500 m² - Kuppeldurchmesser 35 m, (1936-2004)
- Angkor Wat - Länge: 215 m - Breite: 187 m (mit äußerer Mauer und Wassergraben: 1,3 x 1,5 km) - Höhe: 65 m - Bauzeit: 37 Jahre
Weltliche Bauten
- Aerium - Cargolifter Werfthalle (heute: Tropical Islands Dome) - Länge: 360 m - Breite: 210 m - Höhe: 107 m - Grundfläche: 66.000 m² - Volumen: 5,2 Mio m³
Siehe auch
- Portal und Themenliste Rom
- Vatikan
- Lateran
- Patriarchalbasilika
Weblinks
- [http://www.compart-multimedia.com/virtuale/us/roma/st_peter_basilica.htm St. Peter's Basilica, Rome]: Virtual panoramas and photo gallery (ita/ing)
-
Literatur
- Horst Bredekamp: Sankt Peter in Rom und das Prinzip der produktiven Zerstörung. Berlin: Wagenbach, 2000. ISBN 3-8031-5163-5
Kategorie:Kirchengebäude in Rom
Kategorie:Vatikan
Rom Peter
Rom Peter
ja:サン・ピエトロ大聖堂
Rom
Rom (italienisch: Roma) ist eine Stadt mit 2.823.201 Einwohner an den Ufern des Flusses Tiber. In der näheren Agglomeration wohnen 3.615.972 Einwohner (Stand jeweils 1. Januar 2005).
In der Antike war sie das Zentrum des Römischen Reiches und seit 1871 ist sie die Hauptstadt Italiens. Darüber hinaus ist sie Verwaltungssitz der Region Latium und der Provinz Rom. Innerhalb der Stadt bildet der unabhängige Staat der Vatikanstadt eine Enklave. Der Vatikan ist der Sitz des Papstes, des Bischofs von Rom und Oberhauptes der katholischen Kirche. Außerdem ist Rom auch der Sitz des Malteser Ritterordens, der ein eigenständiges, jedoch nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt ist. Somit kann Rom als dreifache Hauptstadt gelten.
Die Altstadt von Rom, der Petersdom und die Vatikanstadt wurden von der UNESCO im Jahre 1980 zum Weltkulturerbe erklärt. Außerdem ist Rom der Sitz folgender UN-Organisationen: FAO, IFAD, WFP.
Geografie
Geografische Lage
WFP
Rom liegt im Zentrum des Landes, am Tiber, unweit des Tyrrhenischen Meeres durchschnittlich 37 Meter über dem Meeresspiegel. Im Osten Roms befinden sich die Abruzzen, im Nordosten die Sabiner Berge und im Süden die Albaner Berge.
Rom liegt in der Tiberebene, in welcher sich Tiber und Aniene kurz vor der Stadt vereinigen. Die geografischen Koordinaten sind 41,53 Grad nördlicher Breite und 12,29 Grad östlicher Länge. Die weitere Umgebung ist die Campagna Romana oder kurz Campagna.
Die Provinz Rom grenzt im Norden an die Provinz Viterbo und die Provinz Rieti, im Osten an die Provinz L'Aquila in der Region Abruzzen, sowie im Süden an die Provinz Frosinone und die Provinz Latina.
Stadtgliederung
Rom gliedert sich in 19 Munizipien und 155 Stadtbereiche. Die Munizipien sind Stadtbezirke, welche zur leichteren Regierbarkeit der Stadt Anfang der 1990er Jahre eingeführt wurden. Ursprünglich waren es 20 municipi, aber das Municipio XIV ist Mitte der 1990er Jahre ausgemeindet worden und heute als Stadt Fiumicino bekannt. Die Stadtbezirke sind :
- Area Nord-Est: Municipi I, III, V und XVII
- Area Nord-Ovest: Municipi II, IV, XVI, XVIII, XIX und XX
- Area Sud-Ovest: Municipi XII, XIII und XV
- Area Sud-Est: Municipi VI, VII, VIII, IX, X und XI
Klima
Fiumicino
Das Klima Roms ist von seiner mediterranen Lage geprägt. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 15,4 Grad Celsius und die jährliche Niederschlagsmenge 758 Millimeter im Mittel.
Die wärmsten Monate sind Juni bis August mit durchschnittlich 21 bis 23,8 Grad Celsius und die trockensten Juni und Juli mit 19 bis 21 Millimeter Niederschlag im Mittel.
Die größten Niederschläge sind im Herbst und Winter mit durchschnittlich 74 bis 104 Millimeter zu verzeichnen. Der kälteste Monat ist der Januar mit 7,9 Grad Celsius im Mittel.
Geschichte
Gründung
Nach der Gründungssage wurde Rom am 21. April 753 v. Chr. von Romulus gegründet. Romulus brachte später seinen Zwillingsbruder Remus um. Die Zwillinge waren nach der Sage die Kinder des Mars mit der Vestalin Rhea Silvia. Sie seien auf dem Tiber ausgesetzt, von einer Wölfin gesäugt und dann von dem Hirten Faustulus am Velabrum unterhalb des Palatin gefunden und aufgezogen worden.
Das Gründungsdatum Roms ist der Beginn der Zeitskala des Römischen Kalenders, lat. ab urbe condita, abgekürzt a.u.c., deutsch „von der Gründung der Stadt (Rom) an“. Ausgrabungen auf dem Palatin fanden tatsächlich Siedlungsreste aus der Zeit um 1000 vor Christus.
Königszeit und Republik
Römischen Kalenders
Die Zusammenfassung einzelner Siedlungen zu einem Gemeinwesen könnte sich nach Auffassung der Historiker tatsächlich um das legendäre Gründungsdatum herum ereignet haben. Die sprichwörtlichen sieben Hügel Roms sind: Palatin, Aventin, Kapitol, Quirinal, Viminal, Esquilin und Caelius (auch Caelian(us)).
Zu Beginn seiner Geschichte war Rom ein Königreich, als erster Etruskerkönig wird Tarquinius Priscus (616 bis 578 v. Chr.) genannt. Nach Vertreibung des letzten etruskischen Königs Tarquinius Superbus - angeblich im Jahr 509 v. Chr. - wurde Rom eine Republik - wenngleich dies wohl erst um 475 v. Chr. geschah. Die Folgezeit war von Ständekämpfen zwischen den rechtlosen, wenn auch freien Plebejern und den adeligen Patriziern gekennzeichnet. Rom begann nun, die umliegenden Gebiete anzugliedern.
Obwohl sich Rom 390 v. Chr. einer Invasion der Kelten kaum erwehren konnte, expandierte die Stadt dennoch ständig. Zum Schutz vor weiteren Übergriffen wurde die Servianische Mauer errichtet. 312 v. Chr. folgte der Bau des ersten Aquädukts sowie der Bau der Via Appia. Zur Expansion Roms trugen insbesondere auch die Punischen Kriege (264-146 v. Chr.) bei.
Nachdem die Brüder Tiberius Gracchus und Gaius Sempronius Gracchus, die versucht hatten, Landreformen durchzusetzen, ermordet wurden, kam es zu einer Phase der Instabilität, welche in Bürgerkriegen ihren Höhepunkt fand. Gaius Iulius Caesar setzte als Diktator eine Reihe von Reformen durch, wurde jedoch 44 v. Chr. ermordet. Zu diesem Zeitpunkt erreichte das Forum Romanum bereits eine Bebauungsdichte, die eine Ausweitung des Areals nötig machte. Aus diesem Grund begann Caesar mit dem Bau des Forum Iulium.
Kaiserzeit
Forum Iulium
Im 1. Jahrhundert vor Christus war Rom wohl bereits eine Millionenstadt und sowohl geographisches als auch politisches Zentrum des Römischen Reiches. Es verfügte über ein funktionierendes Frisch- und Abwassersystem, ein gut ausgebautes Straßennetz, funktionierende Bevölkerungsschutzeinheiten (Vigiles) welche als Feuerwehr mit Polizeibefugnissen ihren Dienst versahen. Trotzdem wurde der Ausbau Roms, welcher besonders unter Caesars Erbe Kaiser Augustus forciert worden war, durch einen großen Brand unter Nero im Jahr 64 vorübergehend zurückgeworfen.
Unter der Herrschaft der Flavischen Dynastie (69-96 n. Chr.) begannen umfangreiche Bautätigkeiten. Zu diesen neuen Bauwerken gehören die berühmtesten Baudenkmäler, wie das Kolosseum und die Kaiserforen. Das letzte dieser Foren wurde Anfang des 2. Jahrhunderts unter Trajan fertiggestellt. Zu dieser Zeit erreichte Rom den Höhepunkt seiner Zivilisation. Große Thermen wie die von Caracalla und Diokletian, welche sogar Bibliotheken einschlossen, waren fester Bestandteil des römischen Lebens geworden. Besessen vom Gigantismus errichteten die Kaiser immer größere Bauwerke, wie die Maxentiusbasilika. Hierin begann sich bereits der Niedergang des Kaiserreiches abzuzeichnen.
Spätantike und Niedergang
Maxentiusbasilika
Zu Beginn der Spätantike erreichte Rom wohl seine größte Bevölkerungszahl, verlor aber bald an politischer Bedeutung. Im 5. und 6. Jahrhundert kam es zu Katastrophen, die das Ende der antiken Herrlichkeit der Stadt bedeuteten: Auch die im 3. Jahrhundert errichtete Aurelianische Mauer konnte nicht verhindern, dass Rom während der Völkerwanderung 410 von den Westgoten, 455 von den Vandalen und 472 von den Burgundern geplündert wurde.
Nach dem formellen Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 wurden bekannte städtische Einrichtungen wie die Diokletiansthermen und das Kolosseum zunächst weiter unterhalten und trotz sinkender Einwohnerzahlen bestand das antike Leben fort. Prokopios hielt fest, dass die Bauwerke der Stadt während der Herrschaft der Ostgoten instand gehalten worden seien. Um 530 lebten noch etwa 100.000 Menschen in Rom. Die eigentliche zivilisatorische Katastrophe war der Gotenkrieg mit der endgültigen Zerstörung fast aller römischen Wasserleitungen durch Witichis 537, der Auslöschung der das antike Erbe bewahrenden Senatorenschicht und einem mehrjährigen Aussetzen des städtischen Lebens durch oströmisch-gotische Belagerungskämpfe.
Das letzte spätantike Bauwerk in der Stadt ist die 608 errichtete Phokas-Säule. Die Stadt entging nur knapp einer vollständigen Zerstörung. Rom gehörte zwar formell seit 554 wieder zum Oströmischen Reich, die Ordnungsfunktionen wurden jedoch in den Zeiten der Völkerwanderung mehr und mehr vom Papsttum ausgeübt. Zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert folgten weitere Belagerungen, Angriffe und Plünderungen durch Langobarden, Sarazenen und Normannen, so dass sich das Stadtgebiet zeitweise kaum über die Tiberufer hinaus erstreckte.
siehe Untergang des Römischen Reiches
Hochmittelalter und Neuzeit
Untergang des Römischen Reiches
Seit Pippin erlangte Rom, das im Mittelalter nur noch etwa 20.000 Einwohner zählte, neue Bedeutung als Hauptstadt des Kirchenstaates (Patrimonium Petri) und als wichtigster Wallfahrtsort des Christentums neben Jerusalem und Santiago de Compostela. Neuer Glanz kam im Jahr 800 in die Stadt, als Karl der Große durch Papst Leo III. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde.
Die Gräber der nach dem Brand Roms unter Nero im Jahre 64 hingerichteten Apostel Simon Petrus und Paulus sowie unzählige andere Reliquien verhießen ab 1300 in den Heiligen Jahren den Pilgern außergewöhnliche Gnaden und Ablässe. Das Aufblühen Roms in der Renaissance wurde 1527 durch das Sacco di Roma ("Plünderung Roms") unterbrochen, als die Söldnertruppen Karls V. Rom plünderten und verwüsteten.
In christlicher Zeit sind viele bedeutende Bauten entstanden, zum Beispiel die so genannten vier Patriarchalbasiliken Sankt Paul vor den Mauern über dem Grab des heiligen Apostels Paulus aus dem 4. Jahrhundert, der Lateran, ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert, von Francesco Borromini barockisiert, Santa Maria Maggiore aus dem 5. Jahrhundert und vor allem der Petersdom, der in der heutigen Form aus der Renaissance und dem Barock stammt.
In der Renaissance und im Barock fand die Stadt ein neues Gepräge, das hauptsächlich von Kirchen bestimmt wird, aber auch von neuen Straßenzügen mit Sichtachsen auf Obelisken, Palästen und Plätzen mit Brunnen. In diesem Zustand ist Rom bis heute verblieben, weshalb die römische Altstadt neben dem Vatikan eines der beiden Weltkulturerbe in der Stadt Rom darstellt.
Hauptstadt Italiens
Nach dem Ende des Kirchenstaates wurde Rom 1871 die Hauptstadt des neuen Italien. Unter Mussolini wurden die Differenzen zwischen Staat und Kirche durch die Lateranverträge mit dem Heiligen Stuhl 1929 beendet und der unabhängige Staat der Vatikanstadt begründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ 1946 der König das Land, und Italien wurde Republik. 1960 fanden in Rom die XVII. Olympischen Sommerspiele statt.
Rom heute
XVII. Olympischen Sommerspiele
Die großen Bauten des 20. Jahrhunderts wurden fast alle in den Außenvierteln wie dem E.U.R. errichtet, so etwa der Palazzo del Lavoro. In der Innenstadt dagegen sind Baumaßnahmen aus denkmalpflegerischen Gründen nur selten erlaubt. Derzeit finden große Grabungen im Bereich der antiken Kaiserforen statt.
Im modernen Stadtbild ist die Vergangenheit noch an vielen Stellen anzutreffen. So ist etwa das Theater des Pompeius am Campo de' Fiori aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., in dessen Vorhof zu Cäsars Zeit die Kurie untergebracht war und er wohl auch getötet wurde, noch zu großen Teilen erhalten. Allerdings ist im Verlauf der Jahrhunderte aus dem Halbrund für die Zuschauer eine Wohnbebauung geworden. Heute befinden sich darin Keller und eine Tiefgarage, Restaurants und Bars, Privatwohnungen und Hotelpensionen. Alle Zimmer haben aufgrund der ursprünglichen halbrunden Theaterstruktur einen trapezförmigen Grundriß.
Die Erneuerung der Stadt stellt die Römer im Alltag oft vor große Probleme. Schon der Bau einer riesigen Tiefgarage zum Jahr 2000 in einen Tuffhügel am Petersplatz war umstritten, weil die Zerstörung archäologischer Reste befürchtet wurde. Aus demselben Grund wurde die immer noch dringend benötigte dritte Metro-Linie bis heute nicht gebaut.
Größere Probleme als die historische Innenstadt machen die oft unschönen Vorstädte mit ihrer hohen Kriminalitätsrate. Dort waren nach dem 2. Weltkrieg oft nachträglich gegen eine Gebühr genehmigte Gebäude fast unkontrolliert in die römische Campagna gebaut worden. Während in der Innenstadt die Kirchen aufgrund ihrer Überzahl oft kaum noch zu erhalten sind, fehlten sie in der Umgebung häufig völlig. Bis heute sind in der einstigen Stadt der "Thermen für alle" öffentliche Bäder kaum vorhanden.
Die Einwohner die es sich leisten können, besitzen eine Wohnung in einem der oft begrünten und sorgsam gepflegten Innenhöfe oder gar eine kleine Villa im Stadtbereich. Insgesamt hat sich seit der Wahl des grünen Bürgermeisters Rutelli Anfang der 1990er Jahre und unter der Regierung von Silvio Berlusconi die Situation nur wenig gebessert.
Unter dem Pontifikat Papst Johannes Paul II. erlebte die Stadt zweimal einen nie zuvor dagewesenen Menschenandrang. Im Jahr 2000 kamen zum Gottesdienst am Weltjugendtag zwei Millionen Menschen vor die Tore der Stadt. An den Begräbnisfeierlichkeiten am 8. April 2005 auf dem Petersplatz nahmen 200 Staats- und Regierungschefs sowie drei bis vier Millionen Menschen aus aller Welt teil, von denen aber nur 300.000 Platz fanden, die übrigen verfolgten die Zeremonien auf Videogroßbildschirmen.
- Siehe auch: Zeittafel Rom
Religionen
Zeittafel Rom
In der Antike war die Römische Mythologie mit ihren Kulten die am weitesten verbreitete Religion in der Stadt. Dennoch waren in diesem Kulturzentrum auch alle anderen Religionen vertreten. Bereits sehr früh entstand eine christliche Gemeinde in der Stadt, welche trotz der Christenverfolgungen rasch anwuchs.
Ab der Herrschaftszeit Konstantins des Großen nahm das Christentum im Römischen Reich einen Aufschwung und überlebte auch dessen Untergang. Nachdem die Stadt mehrfach von heidnischen Völkern geplündert und zerstört wurde, setzte sich Rom als Zentrum des Kirchenstaates durch. Infolgedessen wurden in Rom unzählige Kirchen errichtet, die die wichtigsten Heiligtümer beherbergen.
Nachdem Rom 1797 von Napoleon Bonaparte erobert worden war, wurde es nach dem Wiener Kongress 1815 wieder unter päpstliche Hoheit gestellt. Da das italienische Nationalbewusstsein unter der französischen Besatzung gewachsen war, kam es zum Krieg zwischen dem inzwischen vereinigten Italien und dem Papstsitz Rom.
Der Papst zog sich darauf hin in den Vatikan zurück, der 1929 in den Lateranverträgen als eigenständiger Staat akzeptiert wurde. Seitdem ist Rom, besonders der Vatikan, wieder das geistliche Zentrum des Christentums.
Einwohnerentwicklung
Roms Geschichte begann etwa 800 v. Chr. mit einem Bündnis verschiedener kleiner Dörfer mit wenigen hundert bis tausend Einwohnern. Von da an wuchs Rom in den nächsten Jahrhunderten kontinuierlich zu einer Megastadt, die über eine Million Einwohner zählte. Erst mit dem Einsetzen des Mittelalters nahm die Bevölkerung wieder ab und sank rasch bis zum Jahr 530 auf 100.000.
Im frühen Mittelalter war Rom mit 20.000 Einwohnern nur mehr eine Kleinstadt. Erst mit dem Aufstieg des Kirchenstaates blühte Rom erneut auf und konnte als Wallfahrtszentrum bis zum Ende des 19. Jahrhunderts seine Einwohnerzahl wieder auf 230.000 steigern. Erst im 20. Jahrhundert wuchs Rom erneut zur Millionenstadt heran, indem es in rund 100 Jahren seine Einwohnerzahl mehr als verzehnfachte.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1858 handelt es sich um Schätzungen, von 1861 bis 2001 um Volkszählungsergebnisse und 2005 um eine Berechnung.
530
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Überblick
530
530
Rom wurde der Überlieferung zufolge im Jahre 753 v. Chr. auf einem der sieben Hügel gegründet. Jedoch lassen Funde darauf schließen, dass bereits 1000 v. Chr. in diesem Bereich menschliche Siedlungen existiert haben müssen. Das Bild der Hügel Kapitol und Palatin, sowie des Tales zwischen den beiden, ist besonders durch antike Bauwerke bestimmt.
Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Kapitol lange als Sitz der Regierung des Imperium Romanum diente, während der Palatin vor allem als Residenzhügel der Kaiser verwendet wurde. Im Tal zwischen den beiden Hügeln befindet sich das Forum Romanum, welches das Zentrum des städtischen Lebens im antiken Rom darstellte.
Als Innenstadt Roms gilt der Bereich innerhalb der Aurelianischen Mauer, welche im 3. Jahrhundert um das Gebiet der 7 Hügel, Kapitol, Quirinal, Viminal, Esquilin, Caelius, Aventin und Palatin, errichtet wurde. Das historische Zentrum breitet sich fast ausschließlich am linken Ufer des Tibers aus.
Hier befinden sich die meisten und größten Baudenkmäler aus der Antike. Die christlichen Gebäude hingegen sind auf beiden Seiten des Tiber verstreut. Die Vatikanstadt, mit dem weithin sichtbaren Petersdom, befindet sich jedoch auf der rechten Seite des Tibers. Das historische Zentrum von Rom, der Petersdom und die Vatikanstadt wurden von der UNESCO im Jahre 1980 zum Weltkulturerbe erklärt.
Die äußere Stadt und der Peripherie Roms befindet sich im Bereich außerhalb der aurelianischen Mauer. Die Konzentration antiker Bauwerke ist hier deutlich geringer, wenn man auch immer wieder solche antrifft. Man findet jedoch zahlreiche Kirchen, welche auch in diesem Bereich errichtet wurden, so zum Beispiel die Basilika St. Paul vor den Mauern.
Theater
St. Paul vor den Mauern
Rom spielt eine führende Rolle im italienischen Kulturleben. Im Opernhaus der Stadt, das zu den größten in Italien zählt, werden Opernaufführungen geboten, die im Sommer auch in den Caracalla-Thermen stattfinden. Außerdem gibt es in Rom etwa 20 Theater und sechs Konzertsäle, die außerhalb der Sommermonate mit einem abwechslungsreichen Programm aufwarten.
Im April 2002 wurde im nördlichen Teil der Stadt ein Konzertpark eröffnet; das rund 50.000 Quadratmeter große Areal umfasst unter anderem drei Konzerthallen mit 700, 1.200 und 2.700 Plätzen, die nach Plänen des Genoveser Architekten Renzo Piano erbaut wurden.
Museen
Das älteste Museum Roms sind die 1471 eingerichteten Kapitolinischen Museen, die neben den wesentlich größeren Vatikanischen Museen zu den bedeutendsten Kunstkollektionen Roms gehören.
In der Villa Giulia, dem Landhaus Papst Julius II. welches Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet wurde, ist eine herausragende Sammlung etruskischer und antiker Römischer Kunst untergebracht. Die Kunstsammlung der Familie Borghese wird in ihrem Palast aus dem frühem 17. Jahrhundert ausgestellt. Sie trägt den Namen Galerie Borghese und besteht vor allem aus Gemälden und Plastiken.
Im von Michelangelo entworfenen Museo Nazionale Romano delle Terme sind griechische und römische Plastiken ausgestellt. Ebenfalls bedeutend sind die Gemäldegalerie im Palazzo Farnese, die Renaissance-Bronzensammlung im Palazzo Venezia und die Gemäldesammlung im Palazzo Barberini.
Bauwerke
Palazzo Barberini
Palazzo Barberini
Palazzo Barberini
Rom beherbergt als eine der großen Kulturstädte Europas zahlreiche Denkmäler von der Zeit der Etrusker bis hin zur Gegenwart, wobei die Zeugnisse aus der Zeit der etruskischen Könige und der römischen Frühgeschichte eher spärlich sind. Umso umfangreicher sind die Hinterlassenschaften aus der Epoche des Römischen Reiches.
Sie reichen vom fast vollständig erhaltenen Pantheon (gegründet im Jahre 27 v. Chr., wiederaufgebaut zwischen 118 und 128 n. Chr.), dem einzigen erhaltenen Kuppelbau der Antike, bis zum eindrucksvollen Kolosseum (fertiggestellt 80 n. Chr.), dem größten Amphitheater der Antike, das Austragungsstätte von Gladiatorenkämpfen und anderen Schauspielen war. Seit dem Jahre 1999 dient das Kolosseum auch als Monument gegen die Todesstrafe: Immer wenn ein Staat dieser Welt die Todesstrafe abschafft, wird das Kolosseum 48 Stunden lang hell erleuchtet – was aber nur selten geschieht.
In der Stadt findet man neben den antiken Stadtmauern Triumphbögen, einzigartige Kirchen und Paläste sowie große öffentliche Plätze; besonders bedeutend sind das Forum Romanum und die Kaiserforen, ebenso wie die Caracalla-Thermen (erbaut um 217 n. Chr.), die heute als Szenerie für die Opernaufführungen im Sommer genutzt werden, die Katakomben - weit verzweigte unterirdische Anlagen, in denen Christen ihre Gottesdienste feierten und bestattet wurden - und die Engelsburg, die als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian erbaut und im Mittelalter zu einer Festung ausgebaut wurde.
Im 4. Jahrhundert wurde die Kirche San Paolo fuori le mura gebaut und nach der Zerstörung durch einen Brand im Jahre 1823 wiedererrichtet. Die Basilica San Giovanni in Laterano wurde im 4. Jahrhundert errichtet und im 17. und 18. Jahrhundert im Wesentlichen wiederaufgebaut. Die aus dem 5. Jahrhundert stammende Kirche San Pietro in Vincoli ist im 15. Jahrhundert restauriert worden und beherbergt die berühmte Moses-Statue von Michelangelo Buonarroti.
Weitere bedeutende Bauwerke sind die Piazza Navona mit drei Brunnen (darunter die Fontana dei Quattro Fiumi, ein Hauptwerk des italienischen Bildhauers Gian Lorenzo Bernini), die Piazza del Campidoglio (Kapitolsplatz mit einer Bronzestatue des Kaisers Marcus Aurelius, die im 2. Jahrhundert n. Chr. fertiggestellt wurde), die Fontana di Trevi (ein Barock-Brunnen aus dem 18. Jahrhundert, in den Touristen traditionell Münzen hineinwerfen und sich etwas wünschen) und die Piazza di Spagna mit der berühmten, aus dem 18. Jahrhundert stammenden Spanischen Treppe, die zu der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Kirche Santa Trinità dei Monti hinaufführt.
Weitere Sehenswürdigkeiten des christlichen Roms sind über die gesamte Stadt verstreut. Das christliche Zentrum bildet hierbei der nicht zugängliche Staat der Vatikanstadt mit dem Petersdom. Weitere große Kirchen wie die Lateranbasilika, Santa Maria Maggiore, Sankt Paul vor den Mauern befinden sich innerhalb des Stadtgebiets. Die meisten Kirchen sind besonders prunkvoll ausgestattet und enthalten Kunstwerke von unschätzbarem Wert.
Sehenswürdigkeiten des modernen Roms befinden sich eher in den äußeren Bezirken der Stadt, wie zum Beispiel Bauwerke für die Olympischen Sommerspiele 1960, entworfen von Pier Luigi Nervi, einem der führenden italienischen Architekten des 20. Jahrhunderts, aber auch Ehrenmäler und Hochhäuser. Über die ganze Stadt verteilt sind zahlreiche weitere Baudenkmäler, Plätze, Brunnen und Obelisken, welche von großen Künstlern geschaffen und prunkvoll verziert wurden.
- Siehe auch: Aquädukte in Rom, Brunnen in Rom, Kirchen in Rom, Obelisken in Rom und Plätze in Rom.
Sport
Plätze in Rom
In der Stadt gibt es mit dem 1927 gegründeten AS Rom und dem im Jahre 1900 gegründeten Lazio Rom zwei national und international bedeutende Fußballvereine. Beide Vereine tragen ihre Heimspiele im 85.000 Zuschauer fassenden Olympiastadion aus.
Der AS Rom wurde dreimal Italienischer Fußball-Meister, siebenmal Italienischer Fußball-Pokalsieger und gewann einmal (1961) den UEFA-Pokal. Lazio Rom wurde zweimal Meister, viermal Pokalsieger und gewann einmal (1999) den Europapokal der Pokalsieger.
Rom war Austragungsort der Olympische Sommerspiele 1960 und der ersten Paralympics überhaupt. Das Olympiastadion liegt im Norden der Stadt.
Kulinarische Spezialitäten
Paralympics
Rom bietet eine reiche Auswahl an absoluten Qualitätsrestaurants. Das kulinarische Angebot in Rom ist sehr abwechslungsreich und reicht von ausgezeichneter Küche der berühmtesten Köche internationalen Niveaus bis zur typisch römischen Küche mit ihrer Vielfältigkeit, von der jüdischer Küche zur Zubereitung von Schalentieren, von Spezialitäten aus Latium zu ausgezeichneten Fischgerichten, außerdem befinden sich in der Stadt auch zahlreiche Restaurants, die Spezialitäten aus allen fünf Erdteilen bieten.
Typische Gerichte der römischen Küche sind die "coda alla vaccinara", Schwänze junger Rinder in Wein, Tomaten und Pfefferschoten gekocht, oder die "pajata", Kalbsmagen mit Tomatensoße, der "abbacchio alla scottadito" oder die "trippa alla romana", die mit der Zeit immer weiter verfeinert wurden und heute wahre Spezialitäten sind.
Die traditionellen Restaurants der Stadt mit echten römischen Spezialitäten befinden sich überwiegend in Testaccio rund um den früheren Schlachthof. Unter den beliebten Lokalen steht den Pizzerien sicherlich ein Ehrenplatz zu. Sie sind über die ganze Stadt verteilt, aber Trastevere bietet wahrscheinlich das größte Angebot an Pizzerien mit Holzofen. Empfehlenswert sind hier die berühmten flachen römischen Pizzen mit dem knusprigen Rand. Schmackhaft sind auch die Supplì al Telefono, frittierte Reisklößchen gefüllt mit Mozzarella, die Kartoffelkroketten, die frittierten Klippfischfilets, die Kürbisblüten und die Bruschette, getoastete Brotscheiben mit Tomaten, Öl und Knoblauch.
Wirtschaft und Infrastruktur
Supplì al Telefono
Rom ist seit dem 2. Weltkrieg der wichtigste Wirtschaftsstandort in Italien. Seine Wirtschaft basiert auf der staatlichen Verwaltung, sowie dem Fremdenverkehr. Daneben dominieren andere Dienstleistungsbranchen, wie ganz besonders der Einzelhandel.
Als Industriestandort produziert Rom vor allem die traditionellen Industrieerzeugnisse Textilien und Souvenirs für Touristen, sowie die neueren Erzeugnisse wie Nahrungsmittel, pharmazeutische Produkte, Maschinen, Papier- und Metallwaren. Daneben ist Rom wegen des Klimas und der Monumente auch für die Filmindustrie ein wichtiger Standort.
Die Hauptverwaltungen zahlreicher internationaler Unternehmen und Organisationen haben ihren Sitz in Rom. Hierzu zählen unter anderem die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), der Welternährungsrat (WFC) und das Welternährungsprogramm (WFP).
Verkehr
WFP
Rom selbst hat zwei internationale Flughäfen, Fiumicino (Leonardo da Vinci) und Ciampino (G.B. Pastine). Der an der Küste gelegene internationale Flughafen Leonardo da Vinci ist einer der geschäftigsten Flughäfen der Welt.
Als zentraler Knotenpunkt des italienischen Eisenbahnsystems verfügt Rom über die Bahnhöfe Roma Tiburtina, Roma Ostiense, Roma Trastevere, Roma San Pietro, sowie den Hauptbahnhof Roma Termini. Mit der Inbetriebnahme der neuen Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke nach Neapel in diesem Jahr und dem baldigen Ausbau des Bahnhofes Tiburtina werden Züge, die Rom nur als Durchgangsstation durchfahren, nicht mehr den Hauptbahnhof Termini anfahren.
Rom verfügt über ein gut ausgebautes, aber nur chaotisch funktionierendes ÖPNV-System, bestehend aus Bussen, Tram und U-Bahn. Während die ganze Stadt durch ein System aus Express- und Stadtbussen recht gut erschlossen ist, ist das U-Bahnsystem, mit den Linien A und B, nur mäßig ausgebaut und in den Stoßzeiten vollkommen überlastet, da eine Beschädigung vieler historischer Gebäude und Anlagen durch den Bau der Tunnel befürchtet wurde und wird. Der erste Streckenabschnitt der Metro wurde am 9. Februar 1955 zwischen Termini und Laurentina eingeweiht. Heute fährt sie auf zwei Linien mit einer Länge von 41 Kilometern. Eine Erweiterung der Linie B und eine neue Linie C sind in Bau.
Nachdem zwischen dem 8. Januar 1937 und dem 2. Juli 1972 schon einmal Trolleybusse in Rom fuhren, wurde das System nach einer Unterbrechung von 33 Jahren am 23. März 2005 in der Stadt wieder eingeführt. Die Straßenbahn von Rom nahm am 2. August 1877 den Betrieb auf. Sie verkehrt auf einem 84 Kilometer langen Streckennetz.
Medien
- Tageszeitungen: La Repubblica, Il Messaggero, Il Tempo, Corriere dello Sport, Gazzetta dello Sport (beides Sportzeitungen).
- Fernseh-/Radiosender: RAI TV, Radio Vatikan
Bildung
Rom hat drei staatliche Universitäten: Die Universitá degli Studi di Roma La Sapienza ist eine der ältesten Universitäten Europas (Gründung: 1303) und mit 147.000 Studenten die größte Universität Europas. Die beiden anderen Universitäten sind die Tor Vergata und Roma Tre. Daneben bestehen mehrere katholische Universitäten als Einrichtungen des Heiligen Stuhls bzw. einzelner geistlicher Orden.
Außerdem ist Rom der Sitz der Akademie der Schönen Künste, der Nationalen Akademie für Tanz, der Nationalen Akademie für dramatische Kunst, des Musikkonservatoriums und des Zentralinstituts für die Restaurierung von Kunstwerken.
Söhne und Töchter der Stadt
Siehe: Liste der Söhne und Töchter von Rom
Literatur
- Jansen, D. / Poeschel, S.: Rom. München, 1990.
- Gregorovius, F.: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter vom V. bis XVI. Jahrhundert. München, 1988.
- Neumeister, C.: Das antike Rom. - Ein literarischer Stadtführer. München, 1991.
- Coarelli, F.: Rom. - Ein archäologischer Führer. Freiburg, 1989.
- Titus Livius: Ab urbe condit. Rom, ab 27 v.Chr.
- Kolb, Frank: Rom - Geschichte der Stadt in der Antike. München 1995
- Clemens Bombeck: "Auch sie haben Rom geprägt. An den Gräbern der Heiligen und Seligen in der Ewigen Stadt", Verlag Schnell & Steiner Regensburg 2004 , ISBN 3795416914
Filme
- Roman Holiday (Ein Herz und eine Krone), Regie: William Wyler, 1953
- La dolce vita (dto.), Regie: Federico Fellini, 1960
- Roma (Fellinis Roma), Regie: Federico Fellini, 1972
- Caro diario (Liebes Tagebuch), Regie: Nanni Moretti, 1991
- Gente di Roma, Regie: Ettore Scola, 2003
Partnerstädte
- New York City (USA)
Siehe auch
- Portal und Themenliste Rom
- Römisches Reich
Weblinks
- [http://www.comune.roma.it Offizieller Webauftritt] (italienisch)
- [http://www.die-roemer-online.de/rom/rom.html die-roemer-online Das antike Rom]
- [http://rubens.anu.edu.au/htdocs/bycountry/italy/rome/popolo/ Popolo-Projekt der Australien National University] - 4,3 Gigabyte Bilder zum Thema Rom (englisch)
- [http://www.kirke.hu-berlin.de/ressourc/roma.html Kirke] Rom im WorldWideWeb
- [http://www.gottwein.de/roge/rom_hist.php Römische Geschichte in annalistischer Darstellung]
- [http://www.urlaub-rom.de/ 3 Tage in Rom] - Empfehlungen für Stadtrundgänge
- [http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Gazetteer/Places/Europe/Italy/Lazio/Roma/Rome/home.html Thayer's Gazetteer of Rome] (english/italienisch)
- [http://rom.antikefan.de Das antike Rom - Geschichte und Bauwerke]
- [http://rome.arounder.com/fullscreen.html Interactive high quality fullscreen QTVR panoramas] - mit Breitband (englisch)
- [http://rome.arounder.com/java.html Interactive high quality fullscreen QTVR panoramas] - ohne Breitband (englisch)
- [http://www.compart-multimedia.com/virtuale/ Rome Virtual Travel] (englisch/italienisch/französisch)
- [http://www.romaculta.it/it/souvenirs.html Historische Fotos von Rom] (italienisch)
- [http://www.discover-rome.de/index_de.html Discover Rome]
- [http://www.euxus.de/rom.html Ein deutscher Reisebericht mit vielen Fotos von 2004]
- [http://formaurbis.stanford.edu/ Stanford Digital Forma Urbis Romae Project - Stadtplan Roms Anfang des 3. Jhdts] (englisch)
- [http://www.italien-inseln.de/italia/latium-lazio/roma/hauptstadt.html Provinz Rom]
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Kategorie:Hauptstadt in Europa
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Kategorie: Hauptstadt in Italien
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Kirchengebäude
Ein Gotteshaus oder eine Kirche ist ein christlicher Sakralbau. Die Übersetzung des griechischen Wortes "kyriake" (Kirche) bedeutet dem Herrn gehörig.
Überblick
Das Kirchengebäude ist ein Ort der Zusammenkunft. Seine religiöse Bedeutung ist verschieden. Während zum Beispiel in einigen christlichen Konfessionen das Kirchengebäude als besonderer Ort der Gegenwart Gottes geglaubt wird, hängt in anderen Konfessionen die Gegenwart Gottes von der im Kirchengebäude sich versammelnden Gemeinde ab. Während römisch-katholische Christen eher die zuerst genannte Sicht vertreten, sehen zum Beispiel reformierte und freikirchliche Gläubige den Ort für die Anwesenheit Gottes als sekundär an; entscheidend ist für sie, dass sich Menschen im Namen Jesu - wo auch immer - versammeln.
Im Laufe der Jahrhunderte unterlag der Baustil der Gotteshäuser - je nach Kultur mehr oder weniger stark - einer von reicher Symbolik geprägten Architektur ständiger Veränderung. Aus der Art und Weise, wie in bestimmten Epochen die Kirchen gebaut wurden, kann man vieles ablesen über das religiöse Leben dieser Zeit. Jährlich wird der Weihetag der Kirche gefeiert: Kirchweih.
Unterscheidung nach Funktion
- Kathedrale bzw. Dom: Bischofskirche
- Münster: Klosterkirche, Stiftskirche oder Bischofskirche
- Pfarrkirche: Hauptkirche einer Pfarrei (Körperschaft öffentlichen Rechts)
- Gemeindekirche: Kirche einer Gemeinde, die keine Körperschaft öffentlichen Rechts ist (Bistum Essen)
- Filialkirche: Kirche einer Filialgemeinde bzw. Kuratie. Ist einer Gemeinde zugeordnet.
- Klosterkirche: Kirche eines Klosters
- Stiftskirche bzw. Kollegiatskirche
- Wallfahrtskirche
- Spitalkirche bzw. Krankenhauskapelle
- Bethaus einer freikirchlichen Gemeinde (zum Beispiel Bethaus Felde)
- Kapelle
Unterscheidung nach Bauform
- Zentralbau
- Langbau mit den Unterscheidungen zwischen Basilika, Hallenkirche
- Kreuzkirche
- Kirchenburg
- Wehrkirche
- Emporenkirche
- Krypta
- Kapelle
Besondere Bauformen:
- Stabkirche
- Saalkirche
- Staffelhalle
- Doppelkirche
- Chorturmkirche
- Provisorische Notkirche; hier sind besonders die sogenannten als Holzfertigbau konstruierten Schwedenkirchen zu erwähnen. Sie waren eine Stiftung des schwedischen Gustav-Adolf-Werkes und dienten Ostflüchtlingen, die in vorwiegend katholischen Regionen des Westens angesiedelt worden waren, als vorübergehendes Gotteshaus. Notkirchen sind in gewissem Sinne auch gottesdienstlich genutzte öffentliche Räume, Containerkirchen und Zeltkirchen. Sie dienen heute vorwiegend in der Gemeindeaufbauphase als Interimskirche, um später - nach entsprechendem Gemeindewachstum - durch einen festen Kirchenbau ersetzt zu werden.
Moderner Kirchenbau
Der heutige "moderne" Kirchenbau ist - wie die Architektur im Allgemeinen - von einer vorher nicht gekannten Vielfalt geprägt. Eine regionale, stilistische Unterscheidung ist kaum mehr möglich. Modernen Kirchen entsprechen oft nicht mehr dem stereotypen Bild der "Bauform Kirche" mit Turm, Portal und Massivität, sondern haben einen sehr individuellen Charakter. Ein Kirchturm ist zum Beispiel nicht immer vorhanden. Neue Standorte (z.B. Autobahnkirchen) und veränderte Anforderungen an die Funktion des Kirchenraumes ließen neue Formen entstehen, dem Einsatz aller heute verfügbaren Materialien sind keine Grenzen gesetzt.
Der Architekt Justus Dahinden, der mehr als 30 Kichen geplant und gebaut hat, beschreibt in seinen theoretischen Werken die Merkmale des liturgischen Raumes wie folgt: "Merkmale des Raumes lösen Wirkmale beim Menschen aus, der sich diesem Raum aussetzt. In diesem Sinne ist der kirchliche Raum ein Ort der dreifachen Merkmale: Im Wortgottesdienst hat der Raum eine Versammlungsgestalt; bei der Eucharistiefeier hat er eine Mahlgestalt; für die Meditation braucht er eine Andachtsgestalt. Jede der drei Gestaltformen hat ihre eigenen Wirkmale beim Nutzer, und alle drei differenzierten Wirkrealitäten zusammen müssen aus einer architektonischen Synthese resultieren. Dieser Anspruch ist einzigartig; er fordert den Architekten, der Kirchenbau betreibt, in außerordentlicher Weise."
- Notre-Dame-du-Haut von Le Corbusier
- Wotrubakirche von Fritz Wotruba
- Kirchenbauten von Dominikus Böhm und Gottfried Böhm
- Kirchenbauten von Rudolf Schwarz
- Kirchenbauten von Peter Kulka und Hans Schilling
- Kirchenbauten von Justus Dahinden
Zeitgenössische Beispiele
- Herz-Jesu-Kirche (München)
Siehe auch
- Kirche im weiteren Sinn: Artikel Kirche
- Kirchenbaulast
- Sakralbauten anderer Religionen: Islamisch: Moschee; Jüdisch: Synagoge; Buddhistisch: Pagode; Baha'i: Haus der Andacht; Andere Religionsgemeinschaften: Tempel
Listen
- Liste bekannter Kirchengebäude
- Liste von Kathedralen und Domen
- Liste der höchsten Kirchtürme der Welt
- Liste der Klöster
- Liste von Wallfahrtsorten
- Liste von Autobahnkirchen
Weblinks
- [http://www.koelnerfoto.de/Seitenauto/KOELN/KIRCHEN_FRIEDHOF/K_MODERNE1/ Bilder moderner Kirchen] in Köln
- http://www.boer-ste.de/notkirchen.html
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Kategorie:Christentum
Basilika Notre-Dame de la PaixDie Basilika Notre-Dame-de-la-Paix in Yamoussoukro im Staat Elfenbeinküste ist die größte Kirche der Christenheit. Sie wurde auf Erlass von Félix Houphouët-Boigny, dem ersten Präsidenten der Elfenbeinküste, zwischen 1986 und 1989 nach dem Vorbild des Petersdoms erbaut. Die Baukosten betrugen etwa 250 Millionen Euro. Architekt der Basilika ist Pierre Fakhoury.
Pierre Fakhoury
Vom Original weicht die Kopie an einigen Stellen ab. Die Kuppel ist etwas niedriger als die des Petersdoms. Das darauf angebrachte Kreuz ist jedoch viel größer. Insgesamt erreicht die Basilika 158 m Höhe (siehe Liste der höchsten Kirchtürme der Welt). Auf rund 30.000 m² Grundfläche bietet die Kirche etwa 7.000 Sitzplätze und 11.000 Stehplätze. Sie ist sowohl höher (abgesehen von der Kuppelhöhe), länger und breiter als der Petersdom in Rom, der eine überbaute Fläche von 15.000 m² hat.
Sie wurde inmitten des afrikanischen Urwalds aus italienischem Marmor erbaut. Ihre Fenster zieren 7.000 m² in Frankreich gefertigte Glasmosaikfenster.
Offiziell wurde die Kirche zur Gänze aus dem Privatvermögen von Félix Houphouët-Boigny bezahlt und wird über ein Schweizer Sperrkonto von den Zinsen unterhalten. Félix Houphouët-Boigny hatte seine Geburtsstadt bereits 1983 zur neuen Hauptstadt des Landes gemacht, was die Urbevölkerung allerdings in den Regenwald abdrängte. Houphouët-Boigny ließ sich auch in den Kirchenfenstern verewigen: ein Fenster zeigt Jesus mit den zwölf Aposteln und den Präsidenten als quasi 13. Apostel.
Die Basilika wurde am 10. September 1990 von Papst Johannes Paul II. bei seiner Afrika-Tour nach jahrelangem Warten geweiht. Der Papst machte seine Teilnahme vom Bau eines Krankenhauses in der Nähe des Gotteshauses abhängig. Der von Johannes Paul II. damals eigenhändig gelegte Grundstein für das Krankenhaus liegt immer noch einsam in einem Feld.
Weblinks
- [http://www.abidjan.net/cotedivoire/basilique/basilique1.htm Basilique Notre-Dame de la Paix (auf Französisch)]
- [http://www.ifrance.com/africonseil/BASILIQUENOTREDAMEDELAPAIX.htm Eine weitere Website auf Französisch]
Kategorie:Elfenbeinküste
Kategorie:Kirchengebäude
Simon PetrusSimon Petrus ( - unbekannt; † vermutlich in Rom um 65) war einer der zwölf Apostel, die Jesus von Nazaret zu Lebzeiten nachfolgten. Informationen über sein Leben überliefert hauptsächlich das Neue Testament. Dort ist Petrus erster Bekenner, aber auch Verleugner Christi sowie erster Zeuge des Auferstandenen, der Sprecher der Apostel und Leiter der Jerusalemer Urgemeinde.
Hinzu kommen frühe kirchliche Dokumente, wonach Petrus erster Bischof von Antiochia, Gründer und Haupt der Gemeinde von Rom gewesen sein soll und dort als Märtyrer hingerichtet wurde. Darauf führt sich der Primatsanspruch des römischen Bischofs und das katholische Papsttum zurück.
Papsttum
Petrusüberlieferung des Neuen Testaments
Der Name
Nach allen Evangelien lautete sein Vorname Simon. Den Beinamen Petrus soll Jesus persönlich ihm verliehen haben; wo und wann er dies tat, überliefern die Evangelien unterschiedlich.
Der Beiname ist eigentlich ein Titel; er nimmt die Stelle des Vaternamens oder Herkunftsortes ein. Er ist die latinisierte Form des griechischen πετρος (petros), das den aramäischen Ausdruck kefa übersetzt (gräzisiert Kephas). Die Bedeutung des Wortes reicht von „Stein“ bis zu „Felsen“.
Herkunft und Berufung
Simon Petrus gehörte nach allen Evangelien zu den ersten Jüngern, die Jesus traf und zu seiner Nachfolge berief. Alle Nachrichten über ihn folgen auf diese Berufung. Sie informieren kaum über seine Vorgeschichte.
Sein Vater hieß Jona (Mt 16, 17) oder Johannes (Joh 1, 42); seine Mutter wird nicht genannt. Er hatte einen Bruder namens Andreas, der mit ihm von Jesus berufen wurde. Diesen nennen alle Apostellisten an zweiter Stelle neben Simon: Daraus schließt man, dass Andreas wohl der Jüngere von beiden war.
Nach Apg 10, 14.28 wurde Petrus im traditionellen jüdischen Glauben erzogen. Er beachtete jüdische Speisevorschriften und verkehrte nicht mit Nichtjuden. Den synoptischen Evangelien zufolge wohnte er in Kafarnaum am See Genezareth in Galiläa. Dort besaß er ein Haus, wo er zusammen mit seiner Schwiegermutter lebte (Mk 1, 29-31; Lk 4, 38).
Jesus soll seine Schwiegermutter geheilt haben, worauf sie den Jüngern gedient habe (Mk 1, 31). Den Namen von Petrus' Frau erwähnen die Evangelien nicht. Daher glauben manche Exegeten, Petrus habe sie gemäß der Aufforderung Jesu, alles zu verlassen (Mk 10, 28f), in Kafarnaum zurückgelassen.
Nach Paulus, der ihn um das Jahr 39 in Jerusalem traf, wurden Petrus und andere Apostel jedoch von ihren Ehefrauen begleitet (1._Kor 9, 5). Da Jesus nichts gegen Ehe bzw. Ehestand äußerte und außerdem die Ehescheidung verbot (Mt 5, 32), kann Simons Frau auch vorher schon, wie andere Frauen aus Galiläa (Mk 15, 41; Lk 8, 2), mit ihrem Mann umhergezogen sein.
Den Synoptikern zufolge arbeiteten Simon (noch ohne Zuname) und Andreas als Fischer. Am See Genezareth habe Jesus sie beim Auswerfen ihrer Fischernetze getroffen und aufgefordert, ihm nachzufolgen. Daraufhin verließen die Brüder die Netze und folgten ihm (Mk 1, 16). Bei der Berufung der übrigen Zwölf habe Jesus Simon dann den Beinamen „Petrus“ gegeben (Mk 3, 16).
Nach Lukas wurde Simon zum „Menschenfischer“ berufen, nachdem Jesus seine Antrittspredigt in der Synagoge von Kafarnaum gehalten und seine Schwiegermutter geheilt hatte. Die Berufung ist hier Abschluss eines unerwartet großen Fischfangs, nach dem Simon bekennt: Herr, gehe von mir fort! Ich bin ein sündiger Mensch. (Lk 5, 1-11). Hier nennt Lukas erstmals seinen Beinamen Petrus, dann auch bei der Auswahl der Zwölf (Lk 6, 14). Beide Evangelisten erklären den Beinamen nicht.
Auch Matthäus nennt Simon ab seiner Berufung Petrus (Mt 4,18). Er stellt diesen Beinamen besonders heraus, nachdem Simon bekannte: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Als Antwort erhält er eine Seligpreisung und Zusage, dass Jesus seine ecclesia auf „diesen Felsen“ bauen wolle (Mt 16, 18).
Nach dem Johannesevangelium kamen er und sein Bruder aus Bethsaida in Judäa. Ob hier der Geburts- oder der zeitweise Wohnort gemeint ist, bleibt offen. Andreas soll als ein Jünger Johannes des Täufers Jesus zuerst getroffen, ihn als Messias erkannt und dann seinen Bruder Simon zu ihm geführt haben. Jesus habe ihm sofort, als er ihn sah, den Beinamen Kephas (Fels oder Stein) verliehen (Joh 1, 35-44).
Alle Evangelien sind sich einig, dass Simon Petrus im Jüngerkreis eine Führungsrolle innehatte. Er steht in allen Apostellisten im NT an erster Stelle und zählt, zusammen mit Jakobus und Johannes, zu den drei Aposteln, die Jesus besonders nahe standen. Sie waren nach Mk 9, 2-13 (Verklärung Christi) die Einzigen der Zwölf, denen Gott die Göttlichkeit und künftige Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus bereits vor dessen Tod offenbarte. Sie begleiteten ihn zudem in seinen letzten Stunden im Garten Gethsemane (Mk 14, 33).
Christusbekenner und Christusverleugner
Petrus war nach Mk 8, 29 der erste Jünger, der schon vor Jesu Auferstehung bekannte:
:Du bist der Christus!
Doch gleich darauf, nachdem Jesus den Jüngern erstmals seinen vorherbestimmten Leidensweg ankündigte,
:nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. (V. 32).
Er versuchte also, Jesus von diesem Weg ans Kreuz abzubringen, so dass sein Glaubensbekenntnis als Missverständnis der Sendung Jesu erscheint. Daraufhin wies Jesus ihn schroff zurecht (V. 33):
:Weiche von mir, Satan! Denn Du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
„Satan“ bedeutet im Hebräischen „Gegner“ oder „Widersacher“. Petrus wird hier mit dem Versucher Jesu in der Wüste verglichen, der den Sohn Gottes ebenfalls von seinem Leidensweg abhalten wollte (Mt 4, 1-11); er wird auch an anderen Stellen in die Nähe des Satans gerückt (Lk 22, 31).
Hier folgt die Jüngerbelehrung Jesu (Mk 8, 34):
:Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer es aber verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es erhalten.
Diese paradoxe Einladung zur Kreuzesnachfolge ist Hintergrund für das später erzählte Versagen des Petrus im Verlauf der Passion Jesu, als er, um sein Leben zu retten, nicht sich, sondern Jesus verleugnet.
Der Widerspruch zwischen Reden und Handeln zeigte sich bei Petrus schon in Galiläa: Einerseits vertraute er dem Ruf Jesu in die Nachfolge („Komm her!“), andererseits schwand sein Glaube beim ersten Gegenwind, so dass nur Jesus ihn vor dem Versinken im Meer retten konnte (Mt 14, 29-31).
Laut Joh 13, 6-9 widersprach er auch Jesu Ansinnen, ihm die Füße zu waschen. Diese Handlung war damals ein typischer Sklavendienst: Petrus wehrte sich also gegen die Zumutung, sich von Jesus als seinem Herrn wie von einem Sklaven bedienen zu lassen. Aber nur dieser Dienst gab ihm vorweg Anteil an dem am Kreuz Jesu erwirkten Heil und deutete auf die „Taufe in den Tod“ voraus. Das war mit der Verpflichtung an alle Jünger verbunden, einander ebenso zu dienen. In der Erinnerung daran wurde Petrus nach Jesu Tod zu einer Führungsfigur in der Urgemeinde.
Im Verlauf der Passion Jesu spitzen alle Evangelien das Versagen des ersten Jüngers und Christusbekenners zu. Jesus kündete Petrus beim letzten Abendmahl an, er werde ihn noch in derselben Nacht dreimal verleugnen. Dies wies er wie alle übrigen Jünger weit von sich (Mk 14, 27-31 par.):
:Wenn ich auch mit Dir sterben müsste, so wollte ich Dich doch nicht verleugnen. Ebenso sprachen sie alle.
Doch kurz darauf schlief er ein, als Jesus in Gethsemane den Beistand der Jünger besonders nötig brauchte und erbat (Mt 26, 40.43f.). Dann wiederum soll er nach Joh 18, 10 mit Waffengewalt die Verhaftung Jesu zu verhindern versucht haben: Er wird hier mit jenem namenlosen Jünger identifiziert, der einem Soldaten der Tempelwache laut Mk 14, 47 ein Ohr abhieb. Sein Versagen gipfelt in der Verleugnung Jesu, während dieser sich vor dem Hohen Rat als Messias und kommender Menschensohn bekannte und sein Todesurteil empfing (Mk 14, 62). Als das Krähen eines Hahnes im Morgengrauen Petrus an Jesu Vorhersage erinnerte, begann er zu weinen (Mk 14, 66-72).
Petrus fehlte also die Kraft, seinem Glauben gemäß zu handeln, als es darauf angekommen wäre. Dennoch erhielt gerade er auf sein Christusbekenntnis hin von Jesus den Namen „Fels“ und die Zusage der Gemeindegründung (Mt 16, 16-23).
Die Apostelgeschichte stellt Petrus nach Pfingsten demgemäß als todesmutigen Bekenner vor dem Hohen Rat dar (Apg 5, 29), der die Sendung des Heiligen Geistes als Missionar und Leiter der Urgemeinde vorbildlich erfüllte. Paulus dagegen zeigt ihn auch später noch als wankelmütig: Er berichtet, dass Petrus aus Furcht vor den Judenchristen um Jakobus die Tischgemeinschaft mit Heiden aufgab und vor einigen Juden Gesetzestreue heuchelte“, statt nach der „Wahrheit des Evangeliums“ zu wandeln (Gal 2, 11-14).
Einige Exegeten schließen daraus auf seinen ambivalenten Charakter.
Andere sehen Petrus als Beispiel für das Verhalten aller Jünger, die Jesus angesichts seines bevorstehenden Todes verließen (Mk 14, 50). Er steht im NT für das dichte Beieinander von Glauben und Unglauben, Zeugendienst und schuldhaft verweigerter Kreuzesnachfolge in der ganzen Kirche.
Zeuge der Auferstehung
Ausgangspunkt der Osterüberlieferung des NT sind frühe Bekenntnissätze der Urchristen wie Lk 24, 34:
:Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen!
Demnach erkannte Petrus als Erster der Jünger, dass Gott Jesus auferweckt habe (Mk 16, 6). Eine alte, von Paulus aus der Jerusalemer Urgemeinde übernommene Zeugenliste der Ostererscheinungen Jesu bestätigt dies (1. Kor 15, 5):
:Er wurde gesehen von Kephas, danach den Zwölfen.
Die von Lukas überlieferte Credoformel nennt nur „Simon“, die Zeugenliste nennt ihn „Kephas“ und stellt seine Vision neben die der Zwölf: Daraus folgern manche Exegeten, dass dieser Titel ihm nach Ostern beigelegt und dann in seine vorherige Jesusnachfolge zurück verlegt wurde.
Ort und Inhalt der Petrusvision lassen die synoptischen Evangelien unbestimmt. Nach dem Markusevangelium erhielten die Frauen, die das leere Grab Jesu entdeckten, dabei eine Engelsbotschaft (Mk 16, 7):
:Geht hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hergehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.
Demgemäß berichtet das Matthäusevangelium nur von einer einzigen, gemeinsamen Vision aller erstberufenen Jünger (Elf ohne Judas Iskariot) auf einem ungenannten Berg in Galiläa. Dort erhalten sie vom Auferstandenen den Auftrag zur universalen Völkermission und die Zusage seiner Geistesgegenwart (Mt 28, 16-20).
Auch das Lukasevangelium malt die Erstvision des Petrus nicht aus. Es deutet an, dass die Jünger nach Jesu Tod auf getrennten Wegen in ihre Heimat zurückkehrten. Unterwegs seien einige von ihnen Jesus begegnet, deshalb wieder umgekehrt und hätten sich in einem Haus in Jerusalem versammelt. Dort habe Jesus sich ihnen gemeinsam offenbart und ihnen den Auftrag zur Völkermission gegeben. Dabei kündet er hier die Ausschüttung des Heiligen Geistes nur an, die 40 Tage später an Pfingsten erfolgte (Lk 24, 13-50).
Im Johannesevangelium geschah die gemeinsame Jüngervision ebenfalls in der Tempelstadt. Dabei erhielten alle Jünger den Geist und damit die Vollmacht zum „Binden und Lösen“ der Sünder (Joh 20, 19-23). Dem ging die Begegnung Jesu mit Maria Magdalena voraus: Sie, nicht Petrus, sah und verkündete den Auferstandenen hier zuerst. Petrus habe zuvor das leere Grab Jesu betreten und darin das aufgewickelte Schweißtuch des Gekreuzigten entdeckt. Weil er sich dies nicht habe erklären können, sei er zunächst „nachhause“ gegangen. Nicht die Entdeckung des leeren Grabes, sondern erst die Selbstoffenbarung des Auferstandenen konnte also seinen Glauben wecken (Joh 20, 1-18).
Aus diesen Divergenzen schließen NT-Historiker heute meist, dass Erscheinungen und Grabentdeckung ursprünglich unabhängig voneinander überliefert und dann auf verschiedene Weise kombiniert wurden, um das Jüngertreffen in Jerusalem zu erklären. Der später angehängte Schluss des Markusevangeliums (Mk 16, 9-20) versuchte - wahrscheinlich beim Abschluss des Kanons (um 180) -, die verschiedenen Evangelienberichte von Jesuserscheinungen in eine harmonische Abfolge zu bringen.
Auch das Johannesevangelium wurde später nochmals ergänzt: Das Schlusskapitel berichtet, Jesus sei Petrus und sechs weiteren Jüngern aus dem Zwölferkreis nochmals erschienen. Wie er anfangs in Galiläa nach einem wunderbaren Fischzug berufen wurde (Lk 5, 1-11), so erkennt er auch diesmal durch den übergroßen Fischfang, dass Jesus der auferstandene Kyrios ist. So wie er Jesus dreimal verleugnet hatte, so fragt dieser ihn nun dreimal: Liebst du mich?, was er jedesmal bejaht. Daraufhin erhält Petrus dreimal den Befehl: Weide meine Schafe! und den erneuten Ruf Folge mir nach. Dabei kündet Jesus ihm an, dass er als Märtyrer sterben werde (Joh 21,1-19).
Die Lokalisierung am See Genezareth bestätigt, dass die ersten Jüngervisionen in Galiläa, nicht Jerusalem stattfanden. Sie wurden als Versöhnung mit Jesus und erneute Nachfolgeberufung verstanden: Das gemeinsame Mahl mit dem Auferstandenen bedeutete für Juden Vergebung und Anteilgabe am endzeitlichen Heil. Ostererinnerung und Abendmahl waren im Gottesdienst der Urchristen eng verbunden und wurden auf Petrus zurückgeführt.
Missionarische Tätigkeit bei Juden, Samaritern und Heiden
Nach der Apostelgeschichte, aus der fast alle Nachrichten vom nachösterlichen Wirken des Petrus stammen, soll er sich zusammen mit anderen Jesus-Anhängern in Jerusalem versteckt haben, bis ihn mit der anwesenden Menge zu Pfingsten die Kraft des Heiligen Geistes erfasste.
Darauf hielt er die erste öffentliche Predigt in Jerusalem, die Jesu Erscheinen als Gottes vorherbestimmte Erfüllung der Geistverheißung in Israels Heilsgeschichte auslegte und in der Aussage gipfelte (Apg 2,36):
:So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat!
Aufgrund dieser Predigt sollen sich nach Lukas noch am selben Tag 3.000 Menschen zum neuen Glauben bekannt haben. So sei dort die christliche Urgemeinde entstanden, die nach Apg 2,5 Angehörige verschiedener Völker und Sprachen umfasste.
Auch wenn die Zahl überhöht erscheint - Jerusalem hatte damals nur um 20.000 Einwohner -, kann Petrus Erfolg unter seinen jüdischen Landsleuten gehabt haben, weil seine Missionspredigt sie zwar für Jesu Kreuzigung haftbar machte, aber nicht verurteilte, sondern ihnen Gottes Versöhnung zusagte und anbot (Apg 3, 17).
Er geriet jedoch bald in Konflikt mit den Jerusalemer Behörden und musste sich vor dem Hohen Rat verantworten (Apg 4, 8ff; 5, 29). Dabei soll er seinen Glauben diesmal nicht verleugnet, sondern freimütig bekannt haben.
Nach der Verfolgung der Urgemeinde im Anschluss an die Hinrichtung des Stephanus missionierten einige Apostel, darunter Petrus, offenbar auch außerhalb Jerusalems. Laut Apg 8, 14-25 kam er dabei auch nach Samaria, um bereits Neugetauften den Heiligen Geist zu spenden. Dies unterstreicht seine Autorität über die Urgemeinde hinaus. Er war wohl anfangs der Hauptvertreter der Israelmission, die der universalen Völkermission vorausgehen sollte (Gal 2, 8; Mt 10, 5; vgl. Lk 24, 47).
Von Petrus werden auch Spontanheilungen und sogar Totenerweckungen analog zu denen Jesu berichtet, etwa in Lydda und Joppe (Apg 9, 32-43). Damit wird die Kontinuität zwischen dem Heilwirken Jesu und dem der Urchristen betont, das zu ihrem Auftrag gehörte (Mk 16, 15-20; Mt 10, 8).
Wie er in seiner ersten Predigt Christus ganz als Erfüllung jüdischer Verheißungstraditionen verkündete, so hielt er auch an der jüdischen Tora inklusive der Speise- und Reinheitsgesetze fest (Apg 10, 13f). Doch dann habe er nahe der Römerstadt Cäsarea Philippi eine Vision Gottes erhalten, der ihm die Tischgemeinschaft mit dem Hauptmann Kornelius, einem der sogenannten „gottesfürchtigen“ Römer, befohlen habe. Damit begann nach lukanischer Darstellung die urchristliche Heidenmission.
Diese führte zu Konflikten mit den Judenchristen, die von Heiden die Beschneidung und Einhaltung jüdischer Gebote verlangten. Petrus habe sie mit Hinweis auf seine göttliche Autorisierung überwunden: Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die da gläubig geworden sind an den Herrn Jesus Christus: Wer wäre ich, dass ich könnte Gott widerstehen? (Apg 11, 17)
Nach dem Ende der Regentschaft des Pilatus ließ der jüdische König Herodes Agrippa I. (41-44) die Urgemeinde in Jerusalem verfolgen und den Apostel Jakobus den Älteren enthaupten. Auch Petrus wurde verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Doch laut Apg 12, 1-19 verhalf ihm ein Engel auf wunderbare Weise zur Freiheit. Er ließ dies Jakobus und den übrigen Aposteln mitteilen und verließ Jerusalem, um seine Mission fortzusetzen.
Patristische Notizen des 3. Jahrhunderts (s.u.) deuteten diese Nachricht als Übergabe der Leitung der Urgemeinde an Jakobus. Dem widerspricht Paulus, der Petrus, Jakobus und Johannes beim Apostelkonzil (um 48) gemeinsam als „Säulen“ der Urgemeinde antraf (Gal 2, 9). Dort wurde über seine gesetzesfreie Heidenmission entschieden. Petrus sei dabei als deren Fürsprecher aufgetreten (Apg 15, 7-11). So betont Lukas den Einklang zwischen beiden in dieser Frage.
Paulus bestätigt Angaben wie Apg 9, 32, wonach Petrus als Vertreter der Urgemeinde neue Gemeinden, darunter auch Antiochia, besuchte und mit den Heidenchristen dort die Tischgemeinschaft pflegte: Das bedeutet, dass er die Heidenmission anerkannte. Dann aber hätten Anhänger des Jakobus aus Jerusalem dies kritisiert (vgl. Apg 11, 3). Daraufhin sei Petrus vor ihnen zurückgewichen und habe die Tischgemeinschaft mit den Heiden beendet. Deshalb habe er, Paulus, ihn öffentlich für seine Inkonsequenz gerügt und an den beim Apostelkonzil erreichten Konsens erinnert, wonach den getauften Heidenchristen die Einhaltung der Tora ganz erlassen worden sei (Gal 2, 11-14).
Paulus zeichnet also ein anderes Bild von Petrus als Lukas. Er sah ihn als Vertreter des „Evangeliums an die Juden“ an, der den Heidenchristen bis zum Apostelbeschluss zur gesetzesfreien Heidenmission bestimmte Toragebote auferlegte. Als er danach zur Befreiung nichtjüdischer Christen von den Speisevorschriften hätte stehen müssen, wurde er unter dem Druck strengerer Judenchristen wieder schwankend. Diese Angaben aus dem Galaterbrief werden meist als Hinweis auf nach dem Apostelkonzil fortbestehende Spannungen gesehen, die die spätere lukanische Darstellung zu beschönigen versucht habe.
Petrus zugeschriebene Schriften
Die Petrusbriefe
Das Neue Testament enthält unter dem Namen des Petrus zwei Briefe:
- Erster Petrusbrief
Einige Exegeten deuten den „Gruß aus Babylon“ in 1. Petr 5,13 als versteckten Hinweis auf Rom. Denn Babylon ist in der Bibel häufig Metapher für eine besonders verdorbene, sündige Weltstadt: So identifiziert auch die Offenbarung des Johannes „Babel mit Rom. Demnach könnte Rom der Abfassungsort gewesen sein.
Wird Petrus als Autor angenommen, dann wäre der Brief um 65 entstanden. Meist wird der Brief aufgrund inhaltlicher und sprachlicher Indizien jedoch auf den Zeitraum um 100 datiert, als es bereits Christenverfolgung durch den römischen Staat gab. Darauf weisen die in Kapitel 4, 12-16 angesprochenen Motive der Märtyrertheologie, z.B. das „Leiden mit Christus“ und das „Geschmäht werden für den Namen Christi“ hin.
Andere, darunter die Zeugen Jehovas, verstehen den Gruß aus Babylon dagegen wörtlich und nehmen an, dass Petrus tatsächlich dort missionierte, da er auch sonst jüdische Diasporagemeinden wie Antiochia bereiste. Ob Babylon damals noch existierte, ist jedoch nicht erwiesen.
- Zweiter Petrusbrief
Der Brief autorisiert kurz vor dem Tod des Autors als sein „Testament“ die Lehren des Paulus (2. Petr 1, 14; 3, 15). Heute wird er zumeist um das Jahr 100 oder in das frühe 2. Jahrhundert datiert. Die Aufnahme in den Kanon des NT war wegen ungewisser Autorschaft des Petrus umstritten.
Petrus und das Markusevangelium
Die Kirchenväter bringen Petrus auch in Verbindung mit dem Markusevangelium. Papias von Hierapolis führt das Buch auf Johannes Markus zurück, der im Neuen Testament zuerst in Jerusalem (Apg 12), dann im Umkreis von Barnabas und Paulus (Apg 15; Kol 4, 10, 2. Tim 4, 11, Phm 1, 24) erscheint. Nur in 1. Petr 5, 13 erscheint er als Begleiter des Petrus. Papias zufolge diente Markus dem Petrus als Dolmetscher in Rom und verfasste aufgrund von dessen Reden sein Evangelium am gleichen Ort. Daher galt Petrus traditionell als „Koautor“ dieses Evangeliums.
Die Gleichsetzung von Johannes Markus mit dem Autor des ältesten Evangeliums und seine Bekanntschaft mit Petrus sind außer diesen Notizen nirgends belegt und gelten Historikern des frühen Christentums heute meist als patristische Konstruktion. Aufgrund der zuverlässigen Notizen der Paulusbriefe geht man zudem von Spannungen zwischen den hellenistischen Heidenmissionaren um Stephanus und später Paulus mit den Judaisten“ der Urgemeinde aus; welche Position Petrus dabei einnahm, ist ungewiss.
Weitere mit Petrus in Verbindung gebrachte Schriften
Die Didache, ein um 100 entstandener frühchristlicher Katechismus, wird in einer Handschrift als „Zeugnis des Petrus“ bezeichnet. Sie könnte inhaltlich von der von Petrus dominierten Theologie der Urgemeinde abhängig sein. Denn sie besteht hauptsächlich aus einer von Christen umgeformten jüdischen Morallehre, die auf judenchristliche Traditionen Palästinas zurückgeht.
Hinzu kommen einige sogenannte Apokryphen, die von der frühen Kirche aus theologischen Gründen nicht in den Kanon aufgenommen wurden oder verschollen sind:
- Petrusevangelium
- Petrusapokalypse
- Pseudo-Klementinische Schriften.
Kirchenväter]
Die wenigen Informationen zum späteren Schicksal des Petrus stammen alle aus Schriften des 2. und 3. Jahrhunderts, als die werdende Kirche das monarchische Episkopat ausbildete und sich von „Häresie“ abgrenzte. Entscheidende Schritte dazu waren die Kanonisierung des Neuen Testaments und die Idee der Apostolischen Sukzession.
Notizen zum Romaufenthalt und Märtyrertod des Petrus
Petrus soll, nach gemeinsamer Überzeugung der Kirchenväter, gegen Ende seines Lebens nach Rom gekommen sein und dort den Tod als christlicher Märtyrer gefunden haben.
Das NT erwähnt weder eine Romreise des Petrus noch seinen Märtyrertod. Zwar wird in der synoptischen Tradition allen Jüngern Jesu Verfolgung und Tod vorhergesagt (u.a. Mk 10, 39; Mk 13, 12); aber nur ein später Redaktor des Johannesevangeliums (um 150) lässt Jesus dem Petrus seine Hinrichtung ankünden, ohne deren Ort und Umstände zu nennen (Joh 21, 18f).
Wäre Petrus nach dem Apostelkonzil nach Rom gereist, so argumentieren kritische Historiker, hätte sich dies an vielen Stellen des NT niedergeschlagen: vor allem im Römerbrief des Paulus (um 56 - 60), der Christen in Rom namentlich grüßt und bereits auf dortige Verfolgung hinweist, sowie in der Apostelgeschichte. Diese, so entgegnen andere Historiker, sei als periodisierende Missionsgeschichte nicht an lückenloser Chronologie interessiert. Doch sie stellt den Übergang von der Judenmission des Petrus und der Jerusalemer Apostel zur Heidenmission des Paulus dar und berichtet am Ende über dessen ungehinderte Missionstätigkeit in Rom (Apg 28, 17-31): Wäre er Petrus dort begegnet, hätte der Autor dies sicher vermerkt.
Zudem, so etwa Hans Conzelmann (Geschichte des Urchristentums S. 136), setze das Petrusbekenntnis nach Mt 16, 16-19 eine Gemeinde in Syrien oder Kleinasien voraus, die von Petrus gegründet wurde und schon auf seinen Tod zurückblickt. Denn hier werden die „Pforten der Unterwelt“, die sich laut Jes 38, 10 hinter jedem Sterblichen („Fleisch und Blut“) schließen, in den Gegensatz zur Auferstehung der Christusbekenner und Fortdauer ihrer Gemeinschaft über den Tod des Einzelnen hinaus gestellt. Dennoch schließt Conzelmann einen Romaufenthalt des Petrus nicht aus, da schon der 1. Petrusbrief mit dem Hinweis auf „Babylon“ indirekt davon ausgehe.
Der 1. Clemensbrief, der wahrscheinlich in oder bald nach der Regierungszeit Domitians zwischen 90 und 100 in Rom verfasst wurde, erwähnt erstmals ein Martyrium der beiden Hauptvertreter des Urchristentums: Petrus für die Urgemeinde, Paulus für die Heidenmission im römischen Reich. Die Kapitel 5 und 6 heben ihr Vorbild hervor, dem viele Christen folgten:
:Wegen Eifersucht und Neid sind die größten und gerechtesten Säulen verfolgt worden und haben bis zum Tode gekämpft. [...] Petrus, der wegen ungerechtfertigter Eifersucht nicht eine und nicht zwei, sondern viele Mühen erduldet hat und der so - nachdem er Zeugnis abgelegt hatte - gelangt ist an den (ihm) gebührenden Ort der Herrlichkeit.
Der Ort dieses Todes wird nicht erwähnt; aber der Rückblick des Bischofs Klemens von Rom kann sich nur auf die frühere Christenverfolgung unter Nero im Jahr 65 beziehen, ohne dass dadurch diese Version stimmen müßte.
Der Bischof Dionysius von Korinth (ca. 165-175) soll nach einem späterem Zitat bei Eusebius von Cäsarea (260-340) von Petrus und Paulus gesagt haben:
:Und sie lehrten gemeinsam auf gleiche Weise in Italien und erlitten zur gleichen Zeit den Märtyrertod.
Diese Notizen belegen, dass in der Kirche ab etwa 100 der beispielhafte Märtyrertod von Petrus und Paulus in Rom zur Zeit Neros angenommen wurde. Sie wären dann mit vielen anderen Christen hingerichtet worden, Paulus als römischer Bürger durch das Schwert, Petrus als Jude durch Kreuzigung, eventuell mit dem Kopf nach unten.
Daraus folgerte Eusebius als gesamtkirchliche katholische Überzeugung (2, XXV.):
:Es ist daher aufgezeichnet, dass Paulus in Rom selbst enthauptet wurde und dass Petrus ebenso unter Nero gekreuzigt wurde. Dieser Bericht über Petrus und Paulus wird gestützt durch die Tatsache, dass ihre Namen in den Grabstätten bis zum heutigen Tag bewahrt wurden. Es ist ebenso durch Gaius bestätigt, ein Mitglied der Kirche unter Bischof Zephyrinus von Rom [199-217], ... der über die Orte, wo die heiligen Leichname der Apostel liegen, sagt: Aber ich kann die Trophäen der Apostel zeigen. Denn wenn du zum Vatikan [-hügel] oder zur Via Ostia gehst, wirst du die Trophäen derer finden, die diese Kirche gründeten.
Hier zeigt sich, dass sich das Verständnis des Apostolats grundlegend gewandelt hatte: Aus der akuten Naherwartung des Gottesreichs aufgrund der Ostererscheinungen Jesu wurde die apostolische Sukzession, die aus dem Besitz leiblich-dinglicher Überreste der Apostel einen ewigen Bestand der Kirche ableitete.
Petrus als Bischof
Die späteren Patriarchate von Alexandria, | | |